
Die Energiewende in Deutschland schreitet voran — mit einer wachsenden Herausforderung für Betreiber von Photovoltaik-Anlagen: Negativstunden am Strommarkt. Was zunächst absurd klingt, ist mittlerweile Realität. An sonnenreichen Tagen kann der Strompreis an der Börse negativ werden, weil mehr erneuerbarer Strom produziert wird, als das Netz aufnehmen kann.
Was sind Negativstunden überhaupt?
Negative Strompreise entstehen, wenn das Stromangebot die Nachfrage deutlich übersteigt. In Deutschland tritt dieses Phänomen vor allem an Tagen mit hoher Solar- oder Windstromproduktion auf — typischerweise an sonnigen Wochenenden im Frühjahr oder Sommer.
Für PV-Anlagenbetreiber bedeutet das konkret: Statt für ihren Strom Geld zu erhalten, müssen sie unter Umständen sogar zahlen. Seit 2024 entfällt zudem die EEG-Vergütung für Strom, der in Stunden mit negativen Börsenpreisen eingespeist wird — ein erheblicher wirtschaftlicher Nachteil.
Die Zahl der Negativstunden steigt jährlich. In den letzten Jahren wurden in Deutschland regelmäßig dreistellige Stundenzahlen mit negativen Preisen verzeichnet — mit weiter steigender Tendenz.
Wie Batteriespeicher helfen können
Hier kommen Batteriespeicher ins Spiel. Anstatt Solarstrom in Negativstunden in das Netz einzuspeisen, kann er gespeichert und zu wirtschaftlich attraktiveren Zeitpunkten wieder bereitgestellt werden. Es gibt grundsätzlich zwei Modelle:
Modell 1: Co-located Batteriespeicher
Ein Co-located System kombiniert eine PV-Anlage direkt mit einem Batteriespeicher am selben Standort. Der erzeugte Solarstrom wird in den Speicher geladen und später ins Netz eingespeist — idealerweise zu Zeiten mit höheren Strompreisen.
Vorteile von Co-located Systemen können sein:
- Vermeidung von Einspeisung in Negativstunden
- Optimale Nutzung der gemeinsamen Netzanschlusspunkte
- Reduzierte Investitions- und Betriebskosten durch geteilte Infrastruktur
- Höhere Auslastung des Netzanschlusses
Allerdings sind Co-located Systeme nicht für jeden Standort die beste Lösung. Sie erfordern entsprechende Flächen, eine ausreichende Netzkapazität und eine sorgfältige technische Auslegung.
Modell 2: Stand-alone Batteriespeicher im Schwarm
Eigenständige Batteriespeicher, die nicht an eine PV-Anlage gekoppelt sind, können flexibler am Strommarkt agieren. Sie kaufen Strom günstig ein (zum Beispiel in Stunden mit negativen Preisen) und verkaufen ihn zu teureren Zeiten — ein Konzept, das als Arbitrage-Handel bezeichnet wird.
Vernetzt zu einem Schwarmspeicher können dezentrale Speicher zusätzlich an verschiedenen Märkten teilnehmen:
- Primärregelleistung (FCR)
- Sekundärregelleistung (aFRR)
- Intraday-Handel
- Day-Ahead-Markt
Wichtig: Die Wirtschaftlichkeit eines Batteriespeichers hängt von vielen Faktoren ab — Standort, Marktbedingungen, regulatorischen Rahmenbedingungen und der konkreten Vermarktungsstrategie. Konkrete Erlösprognosen sind individuell und sollten im Rahmen einer Projektprüfung erstellt werden.
Was Schwarmspeicher für das Stromnetz bedeuten können
Über die Wirtschaftlichkeit für Eigentümer hinaus können dezentrale Batteriespeicher einen Beitrag zur Energiewende leisten. Vernetzte Speicher können kurzfristige Schwankungen bei erneuerbaren Energien ausgleichen und bei Bedarf Regelleistung bereitstellen.
Konkrete Auswirkungen auf das Stromnetz hängen jedoch von vielen Faktoren ab — Standort, Marktbedingungen und der konkreten Vermarktung. Pauschale Versprechen zur Netzstabilität sind daher unseriös.
Worauf bei der Bewertung von Speicher-Projekten zu achten ist
- Realistische Erlöserwartungen — keine pauschalen Renditeversprechen akzeptieren
- Qualifikation des Direktvermarkters — wer betreibt den Speicher operativ?
- Technische Spezifikationen — Speicherchemie, Lebensdauer, Garantien
- Vertragliche Absicherung — Pachtvertrag, Versicherung, Rückbau
- Standortqualität — Netzanschluss, Genehmigungen, Erreichbarkeit
Fazit
Negativstunden bei PV-Anlagen werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Batteriespeicher — ob co-located oder als Stand-alone-System im Schwarm — können eine Antwort auf diese Herausforderung sein. Die konkrete Lösung hängt jedoch immer vom individuellen Standort und der wirtschaftlichen Zielsetzung ab.
